Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 8/2015

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Sonnenverwöhntes Bio aus Griechenland


Bio aus Griechenland

Was ist eigentlich original Griechischer Salat? Auf Speisekarten und in Kochbüchern findet man zahllose Rezepte, doch ursprünglich besteht „Choriatiki“ nur aus Gurken, Tomaten, grünem Paprika, Oliven, Feta und Zwiebeln mit Salz, Pfeffer und Olivenöl. Erfrischend im Sommer, lecker und gesund dazu. Auch viele andere griechische Bio-Spezialitäten sind beliebte Vorspeisen, zum Beispiel Feta in Kräuter-Marinade, gefüllte Weinblätter (Dolomades) oder Olivenpaste auf frischem Brot. Ein Klassiker sind natürlich Bio-Oliven pur oder verfeinert mit Mandeln, Paprika oder Knoblauch.

Mit griechischen Produkten aus dem Biohandel holt man sich ein wenig Mittelmeer nach Hause und unterstützt gleichzeitig den Ökolandbau in Griechenland, der in Zeiten der Wirtschaftskrise besonders auf Absatz im Ausland angewiesen ist. Einer der Importeure ist Bio-Ilios. Der Agraringenieur Sophoclis Michaelides gründete das Unternehmen vor 15 Jahren, um einen Beitrag zur Ausweitung des Bio-Anbaus in Griechenland zu leisten. Zu den Produzenten gehören zum Beispiel die Kooperative Biologika AgraKtimata in der Region Korinth, die Zitrusfrüchte, Trauben, Birnen, Melonen und Gurken anbaut, wie auch Bio Agros in Nordgriechenland, die außerdem Nektarinen, Pfirsiche und Aprikosen und Kiwis produzieren.

Eine besondere Spezialität ist der würzig-zitronige Bergtee aus den Blättern, Blütenkerzen und Stängeln des griechischen Eisenkrauts. Die Pflanze ist nah verwandt mit dem Salbei – das merkt man auch am Duft. Der Tee kann heiß oder auch kalt mit Fruchtsaft als Eistee getrunken werden. Je nach Geschmack mit etwas griechischem Thymianhonig oder mit Zimt und einem Spritzer Zitronensaft verfeinert. Bio-Anbieter sind Heuschrecke, Sonnentor, Lebensbaum und Ökotopia. Unangefochten das wichtigste griechische Bio-Produkt ist jedoch das Olivenöl, zum Beispiel von Bio Planète und Vitaquell. Das Sortiment von Mani Bläuel ist nicht nur ökologisch produziert, sondern es tragen auch viele Produkte das Naturland-Fair-Logo.

Beim Zähneputzen Vitamin B12 tanken

Selbst bei einer sorgfältig zusammengestellten Ernährung müssen Veganer an einem Punkt auf zusätzliche Aufnahme achten: Die Vitamine der B12-Gruppe, auch Cobalamine genannt, sind ausschließlich in Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten enthalten. Auch Vegetarier nehmen deutlich weniger auf als Fleischesser. Der menschliche Organismus kann das Vitamin nicht selbst herstellen. Vitamin B12-Zahncreme aus dem Naturkosthandel ist eine Alternative zu Nahrungsergänzungsmitteln und eine praktische und effektive Möglichkeit, einem Mangel vorzubeugen oder ihn abzubauen. Eine Studie hat gezeigt, dass die zweimal tägliche Verwendung der Zahncreme über fünf Wochen zu einer deutlichen Verbesserung des Vitamin-B12-Status führt. Dabei wird das Vitamin über die Mundschleimhaut aufgenommen. Die in der Studie verwendete Zahncreme „Sante dental med Vitamin B12“ wurde vom Naturkosmetikhersteller Logocos gemeinsam mit dem Vegetarierbund (VEBU) entwickelt.

Auf dem Markt gibt es auch mit Vitamin B12 angereicherte Lebensmittel wie Margarine, Müsli und Fruchtsaft, allerdings nicht in Bio-Qualität. Zudem sind die zugesetzten Mengen in der Regel zu gering, um den Tagesbedarf zu decken. Als Alternativen werden immer wieder einzelne pflanzliche Lebensmittel genannt. Jedoch ist keines davon eine sichere Vitamin-B12-Quelle, das betont auch die britische Vegan Society. So gibt es bisher keinen Beleg dafür, dass das Vitamin B12 aus Chlorella-Algen vom Menschen aufgenommen werden kann. Zudem schwankt der Gehalt sehr stark. Sanddorn, Weizengrassaft und fermentierte Produkte wie Sauerkraut und Tempeh enthalten entweder kein oder nur Spuren an B12 oder nur so genannte B12-Analoga, die für den Menschen nicht verwertbar sind.

Für die Gesundheit ist es unverzichtbar, auf ausreichend Vitamin B12 zu achten. Ein Mangel führt zu Störungen der Zellteilung, der Blutbildung sowie der Funktion des Nervensystems, auch wenn dies aufgrund der Speicherkapazität der Leber zeitverzögert auftritt. Das zentrale Nervensystem kann unumkehrbar geschädigt werden. Bei Kindern zeigt sich ein Mangel viel schneller und kann Entwicklungsstörungen verursachen.

Bienen als fliegende Umweltdetektive


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40.000 Tonnen – das ist eine kaum vorstellbare Menge und entspricht etwa dem vierfachen Gewicht des Eiffelturms. So viele chemische Pflanzenschutzmittel werden pro Jahr in Deutschland auf landwirtschaftlichen Flächen versprüht. Viele davon stehen im Verdacht, Bienen zu schädigen. Unabhängige Studien sind jedoch Mangelware – und teuer. Der Verein Mellifera e. V. hat sich daher für ein Crowdfunding entschieden, um ein neues Messverfahren im Freiland zu erproben sowie zu verfeinern – und war erfolgreich.

 

Die kalkulierten 23.500 Euro kamen wie geplant bis Juli zusammen, so dass mit diesem  Geld nun zehn Bienenvölker als „Umweltspäher“ unterwegs sein werden. Das Konzept wurde vom Neurobiologen Prof. Dr. Randolf Menzel und seinem Team an der FU Berlin entwickelt. Sie konnten nachweisen, dass bestimmte Pestizide wie Drogen auf das Gehirn der Bienen wirken und ihre Bewegungsmuster, das Lernen, die Gedächtnisleistung und das Navigationsvermögen stören oder blockieren. Insbesondere verändert sich die Tanzaktivität auf der Wabe, was die Kommunikation im Bienenvolk massiv irritiert. In einem zweiten Schritt entwickelte das Team ein Verfahren, um diese Beeinträchtigungen zu messen. Hochsensible Sensoren erfassen im Stock die elektrostatischen Felder, die unter anderem beim Schwänzeltanz von den Bienen ausgehen. Die Veränderungen der charakteristischen Signalkonstellationen erlauben genaue Aussagen über den Gesundheitszustand des Volks.

Bisher können Pestizid-Hersteller die schädlichen Wirkungen ihrer Mittel leicht herunterspielen. Das Umweltspäher-Verfahren könnte endlich stichfeste Daten liefern, um schädliche Effekte von Pestiziden im Freiland nachzuweisen. Insbesondere die Effekte der Neonikotinoide können eindeutig erkannt und zugeordnet werden. Künftig sollen mit der Methode auch weitere Mittel geprüft werden, wie Glyphosat, das eine ähnlich schädliche Wirkung auf Honigbienen hat. Ziel von Mellifera ist ein deutschlandweites Netz von Umweltspäher-Stationen, die schnell und standortgenau Alarm schlagen, wenn schädliche Pestizide ausgebracht werden. Das Crowdfunding wird daher fortgesetzt, um weitere Forschung zu finanzieren und mit Lobby- und Kampagnenarbeit ein Verbot aller Neonicotinoide zu erreichen.

Glyphosat möglicherweise krebserregend

Glyphosat ist "wahrscheinlich krebserzeugend bei Menschen", urteilten Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO im März. Jetzt hat die Internationale Krebsforschungsagentur die umfassenden Daten veröffentlicht, die dieser Einschätzung zugrunde liegen. Damit könnte die zum Jahreswechsel anstehende erneute Zulassung von Glyphosat in der EU, die bisher als Routine galt, doch noch gestoppt werden. Organisationen wie BUND und NABU, PAN Germany und das Umweltinstitut München fordern, dass die Veröffentlichung im Bewertungsverfahren berücksichtigt werden.

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist in der EU federführend für die aktuelle Beurteilung des Totalherbizids, das vor allem unter dem Markennamen Roundup bekannt ist. Es sah bisher keinen Grund, Glyphosat nicht weiter zuzulassen. Ein krebserzeugendes Risiko für den Menschen sei nicht erkennbar.

Kritik an dieser Einschätzung wurde schon früher laut, noch lauter jedoch, nachdem die Süddeutsche Zeitung im Juli aufdeckte, dass es sich bei 14 der 92 vom BfR ausgewerteten Studien um Leserbriefe an wissenschaftliche Publikationen handelt, geschrieben von Wissenschaftlern, die direkt oder indirekt für Monsanto arbeiten. Für Monsanto hat Glyphosat eine immense Bedeutung, weil es das Mittel im Pack mit gentechnisch verändertem Saatgut verkauft. Das Unternehmen macht die Hälfte seines Umsatzes direkt und indirekt mit Glyphosat.

Die Campact-Aktion „Glyphosat muss vom Tisch!“ fordert von Agrarminister Christian Schmidt, dafür zu sorgen, dass die EU den Unkrautvernichter verbietet. Online aktiv werden kann man auch bei „Keine neue Zulassung von Glyphosat!“ vom Umweltinstitut München und Foodwatch. Bioland fordert zusätzlich eine Pestizidabgabe nach dem Verursacherprinzip, damit die Kosten für Umweltschäden, Artenverlust, Brunnenschließungen oder Krankheitsbehandlungen von den Anwendern getragen und nicht auf die Allgemeinheit abgewälzt werden. Der Biolandbau, der solche Kosten nicht verursacht, könnte dann endlich im Rahmen eines fairen Wettbewerbs arbeiten.

Eine Faktensammlung zu Gentechnik und Glyphosat hat der Informationsdienst Gentechnik zusammengetragen.

Jetzt den eigenen Bio-Boden sichern!


(c) BioBoden

Der Boden für den ökologischen Landbau wird knapp. Viele Landwirte können sich die steigenden Preise nicht mehr leisten und oft haben finanzstarke Bieter wie die KTG-Agrar die Nase vorn. In Brandenburg sind inzwischen rund 120.000 Hektar im Besitz internationaler Kapitalgesellschaften. Für mehr Bio-Produkte aus der Region brauchen wir aber deutlich mehr Bio-Anbaufläche. Die neue BioBoden Genossenschaft will dazu beitragen. Als Mitglied kann jeder ein Stück Boden für die ökologische Landwirtschaft sichern.

BioBoden bringt Ackerland und Landwirte, die sich für den ökologischen Anbau interessieren, aber nicht genügend Kapital haben, zusammen. Dafür kauft die Genossenschaft Flächen und Betriebe, auch bisher konventionell bewirtschaftete, und verpachtet sie weiter. Die ökologische Nutzung ist dabei auf mindestens 30 Jahre festgeschrieben. Am Kauf der Böden und Höfe kann sich jeder beteiligen, durch die Mitgliedschaft in der Genossenschaft. Rechnerisch stehen jedem Menschen auf der Erde 2.000 Quadratmeter für die Ernährung zur Verfügung. Wer drei Genossenschaftsanteile zu je 1.000 Euro zeichnet, übernimmt Verantwortung für genau diese Fläche. Einsteigen kann man aber auch schon mit 1.000 Euro.

Unter den 51 Gründungsmitgliedern der BioBoden Genossenschaft waren Privatpersonen, die GLS Bank, die GLS Treuhand und viele Naturkost-Unternehmen wie Zwergenwiese, Voelkel, Söbbeke, Lebensbaum und Bauck. Aktuell hat die Genossenschaft knapp 250 Mitglieder mit einem Kapital von über 1,4 Millionen Euro. „Mit Hilfe von BioBoden und ihren Mitgliedern wird es insbesondere für die neue Generation der Bio-Landwirte wieder möglich, Flächen und Höfe zu übernehmen und zu betreiben. Je mehr Menschen die Genossenschaft als Mitglied unterstützen, desto mehr Flächen kann sie retten und für die Zukunft sichern“, kommentiert Stefan Decke, zweiter Vorstand von BioBoden und selbst Landwirt und Agrarökonom.