Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 7/2015

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Gemüse auf den Grill!

Eine kräftige Marinade gibt Grillgemüse den richtigen Kick. Mindestens eine Stunde in Olivenöl mit Knoblauch, Kräutern wie Basilikum und Oregano, Pfeffer und Paprikapulver verleiht eine mediterrane Note. Wer es exotischer mag, mariniert mit Erdnussöl, Ingwer, Sojasauce, Currypulver oder Kreuzkümmel. Als Gemüse für den Spieß eignen sich Zwiebel, Paprika, Aubergine, Zucchini, Fenchel und Pilze, aber auch grüner Spargel, Kürbis und Artischocken, jeweils in nicht zu dicken Stücken. Wer mag, ergänzt mit Schafskäse oder Tofu-Würfeln. Letztere sollten mindestens vier Stunden, besser über Nacht in der Marinade liegen. Wenn die Zeit zum Marinieren mal fehlt, bieten Bioläden und Bio-Supermärkte viele verschiedene Grillsaucen, Kräuterbutter und Dips, die Gemüse vom Grill ebenfalls lecker verfeinern.

Eine von vielen Alternativen zum Gemüsespieß sind gefüllte Tomaten: Deckel abschneiden, Fruchtfleisch herauslöffeln und in einer Schüssel mit reichlich geriebenem Parmesan vermischen. Dann mit mediterranen Kräutern, Salz und Pfeffer abschmecken und zurück in die Tomaten füllen. Große Champignons schmecken mit einer Füllung aus Kräuterfrischkäse oder Ziegenkäse. Diese Grill-Köstlichkeiten sollten am besten in einer Mehrweg-Grillschale aus Edelstahl oder hitzebeständiger Keramik auf den Holzkohlegrill, damit keine Marinade in die Glut tropft. Denn dabei können krebserregende PAK (Polycyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) und Benzpyrene entstehen, die sich mit dem Rauch auf dem Grillgut absetzen. Aluschalen sind nicht geeignet, da Aluminium vor allem bei sauren und salzigen Zutaten in das Grillgut übergehen kann. Alternativ verwendet man einen Elektro- oder Gas-Grill. In jedem Fall wichtig: Nur Öle verwenden, die hohe Temperaturen vertragen, zum Beispiel ein "High oleic"-Bratöl aus dem Naturkostfachgeschäft. Auch Oliven- und Rapsöl vertragen etwas höhere Temperaturen, aber man sollte das marinierte Gemüse vor dem Grillen abtropfen lassen und am Rand des Rosts garen, wo die Temperaturen etwas niedriger sind.

Den Nachtisch nicht vergessen! Kurz auf dem Grill gegart schmecken zum Beispiel Bananen, Mangos, Ananas, Pfirsiche oder Birnen – besonders gut mit Eis, Vanillesauce oder Schlagsahne.

GemüseAckerdemie – Kinder gärtnern ökologisch


©GemüseAckerdamie

Wachsen Kartoffeln auf Bäumen oder Möhren an Sträuchern? Viele Kinder wissen nicht, wie Nahrungsmittel entstehen oder wie man Gemüse selbst anbaut. Damit einher gehen oft eine ungesunde Ernährung und eine geringe Wertschätzung für Lebensmittel. Die GemüseAckerdemie will das ändern. Die gemeinnützige Initiative hat ihr Bildungsprogramm bereits an 20 Schulen und Kitas in vier Bundesländern gebracht und will die Idee weiter verbreiten. An den Standorten wird jeweils ein ökologischer „GemüseAcker“ als Lernort eingerichtet. Die Ackerdemie stellt dazu Saat- und Pflanzgut, Fachinformationen und Lehrmaterial zur Verfügung und bietet Schulungen an.

Die Schülerinnen und Schüler bauen unter Anleitung eines ehrenamtlichen Mentors mehr als 20 verschiedene Gemüsesorten wie Salat, Mais, Erbsen, Kartoffeln und Mangold an. Die Ernte wird im Anschluss vermarktet, zum Beispiel an die Schulmensa, aber die Kinder dürfen auch bei der Arbeit naschen und Gemüse mit nach Hause nehmen. Außerdem können sie ihre Erlebnisse und Fotos im AckerBlog veröffentlichen und an einem Online-Lernspiel teilnehmen, in dem es wöchentlich neue Aufgaben gibt.

Getragen wird die GemüseAckerdemie vom gemeinnützigen Verein Ackerdemia e.V. Der Erfolg konnte 2014 auch wissenschaftlich bestätigt werden: Das Wissen über Nahrungsmittel und deren Anbau war gestiegen, die Kinder hatten gartenbauliche Fähigkeiten erworben und ihre sozialen Kompetenzen gestärkt; viele hatten neue Sorten für sich entdeckt. Die GemüseAckerdemie ist zudem eines der bisher erfolgreichsten Crowdfunding-Projekte in Deutschland. Unterstützt von Christoph Biemann von der „Sendung mit der Maus“ konnten die Organisationen in diesem Frühjahr 15.000 Euro sammeln, um die Initiative an weitere Schulen zu bringen; nach Anpassung der Materialien auch an Brennpunktschulen und Schulen mit hohem Migrationsanteil.

GemüseAckerdemie

Für die Region: Nachhaltig Bio!


©BNN e.V.

Ob Johannisbeeren, Kohlrabi, Eier oder Brot: Bio-Nahrungsmittel aus der Region haben nicht nur einen besonders kleinen ökologischen Fußabdruck, sondern sie stärken auch die regionale Wirtschaft. Das zeigt zum Beispiel die Bohlsener Mühle. Während kleinere Mühlen fast überall in Deutschland geschlossen wurden, rettete in Bohlsen die Umstellung auf Bio den Betrieb. Und schuf neue Arbeitsplätze: Heute liefern 125 Biohöfe der Erzeugergemeinschaft Öko-Korn-Nord Getreide für die Produktion von Brot, Gebäck und Müsli; im Unternehmen selbst arbeiten über 200 Menschen. Auch die Bauck GmbH in der Lüneburger Heide sorgt mit der Verarbeitung von regionalem Getreide für den Erhalt von Biohöfen in der Region und hat zudem 120 Arbeitsplätze im Betrieb geschaffen.

 

Für die Ökologischen Molkereien Allgäu ist regionale Milch entscheidend für transparente Produktionsabläufe und gesicherte Qualität. Deshalb pflegt das Unternehmen langfristige Partnerschaften zu Produktionsbetrieben und unterstützt kleinstrukturierte, handwerkliche Käsereien und Sennereien. Auch das norddeutsche Bio-Großhandelsunternehmen Grell Naturkost engagiert sich mit partnerschaftlichen Kooperationen und Initiativen für das Wachstum der regionalen Wertschöpfung. Langjährig angelegte Beziehungen zu Bio-Höfen, Bio-Verarbeitern sowie dem Fachhandel werden intensiv gepflegt. Die Handelsware stammt bevorzugt aus der Umgebung – bei Obst und Gemüse sind es rund 45 Prozent des Umsatzes.

Alle diese Unternehmen und viele weitere präsentieren sich auf der Website „Nachhaltig Bio!“. Alle erfassen mit Hilfe des BNN-Nachhaltigkeitsmonitor und dessen differenziertem Indikatorenset ihre Nachhaltigkeitsleistungen. Damit werden nachhaltiges Wirtschaften, aber auch Entwicklungspotentiale sichtbar - von der Produktauswahl über die Herstellungsprozesse bis hin zu Lagerhaltung und Logistik.

Pestizide gefährden Menschen


©Greenpeace

Viele Pestizide wurden in den letzten Jahrzehnten als ungefährliche Lösung gepriesen und später verboten, siehe DDT oder Endrin. Nun steht auch das seit Jahren umstrittene Glyphosat, besser bekannt unter dem Markennamen „Roundup“, auf der Abschussliste. Die Weltgesundheitsorganisation WHO bezeichnet den Wirkstoff seit März als „wahrscheinlich krebserregend“, seitdem haben erste Baumärkte das Produkt aus den Regalen geräumt. Zuletzt wurde in Rheinland-Pfalz die Anwendung auf öffentlichen Flächen verboten; Niedersachsen will den Einsatz einschränken.

Der Greenpeace-Report „Pestizide und unsere Gesundheit - die Sorge wächst“ fordert ein schrittweises Verbot aller potenziell gesundheitsgefährdenden Substanzen. Der Bericht, der die Ergebnisse von über 150 wissenschaftlichen Publikationen zusammenfasst, zeigt statistische Zusammenhänge zwischen einer Pestizid-Exposition und einem höheren Risiko für bestimmte Erkrankungen. Dabei zeigt sich, dass Landwirtinnen und Landwirte, Beschäftigte in Gewächshäusern und Menschen in landwirtschaftlichen Gebieten besonders gefährdet sind. Zu den Risikogruppen gehören aber auch Kleinkinder und Ungeborene. Beispielsweise zeigt eine Studie aus den Niederlanden ein vierfach höheres Fehlgeburtenrisiko unter Frauen, die berufsbedingt mit hohen Mengen an Pestiziden in Kontakt kamen.

Greenpeace weist darauf hin, dass die Konzentration einzelner Pestizide zwar oft unter den gesetzlichen Grenzwerten liegt, in Lebensmitteln aber oft verschiedenen Wirkstoffe gleichzeitig enthalten sind. Wie diese Substanzen im Mix wirken, ist bis heute kaum erforscht. „Die Forschung muss Alternativen zum Pestizideinsatz und damit die ökologische Landwirtschaft fördern“, folgert Christiane Huxdorff, Landwirtschaftsexpertin von Greenpeace.

Funktioniert Landwirtschaft auch vegan?


Landwirtschaft ohne uns? (©EC_organic)

Laut Umfragen ernähren sich mittlerweile rund 900.000 Menschen in Deutschland vegan. Ein Teil meidet nicht nur Nahrungsmittel tierischen Ursprungs, sondern lehnt jegliche Nutzung von Tieren und tierischen Produkten ab. Die meisten Landwirtschaftsbetriebe erzeugen Getreide, Gemüse und Kräuter aber nicht im strengen Sinne vegan, da sie auch Nutztiere halten oder Gülle und Stallmist für die Düngung verwenden. Bei Demeter ist die Tierhaltung sogar fester Bestandteil der Anbaurichtlinien. Wenn keine Tiere gehalten werden, müssen zumindest Präparate aus tierischen Bestandteilen eingesetzt werden.

Vertreter des bio-veganen Landbaus lehnen die Nutztierhaltung ab, weil sie Tieren ein Recht auf Leben und Freiheit einräumen. Bio-vegane Höfe halten keinerlei Nutztiere und beziehen auch keine tierischen Dünger von anderen Betrieben. Die Fruchtfolge muss daher so gestaltet werden, dass möglichst wenig Stickstoff verloren geht. Wie im Ökologischen Landbau ist eine durchdachte Fruchtfolge entscheidend. Unverzichtbar sind Leguminosen, die Stickstoff aus der Luft organisch binden. Auch Gründüngung, Mulch und pflanzlicher Kompost kommen zum Einsatz. Momentan steckt die bio-vegane Landwirtschaft jedoch noch in den Kinderschuhen. Der Vegetarierbund listet rund 15 Betriebe in Österreich und Deutschland, darunter den Gärtnerhof Bienenbüttel und die Gemeinschaftsgärtnerei Wildwuchs. In Großbritannien können sich bio-vegane Betriebe bereits seit 2004 als „Stockfree-Organic“ zertifizieren lassen, dazu gibt es Anbaurichtlinien für bio-veganen Landbau.

Kritiker weisen darauf hin, dass Weidetiere wie Rinder, Ziegen und Schafe Pflanzen fressen, die der Mensch nicht verdauen kann. Mit dem Mist gelangen die Nährstoffe in den Boden zurück, außerdem verwandeln die Tiere für den Menschen unverdauliches Gras in wertvolle Fette und Eiweiß. Es gibt also vielversprechende Ansätze veganer Landwirtschaft, doch sind Tiere eben auch fester Bestandteil natürlicher Kreisläufe.