Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 6/2015

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Schnell, gesund und aromatisch:
Grüner Spargel

Grüner Spargel ist in Deutschland immer noch weniger bekannt und beliebt als sein weißer Namensbruder, obwohl unsere Vorfahren Spargel ausschließlich in Grün kannten. Erst Ende des 19. Jahrhunderts kam die Mode auf, Spargel „ganz in Weiß“ zu produzieren, indem man die Stangen bis zur Ernte von der Sonne fernhielt. Grüner Spargel dagegen hat Sonne getankt und dabei reichlich Chlorophyll und Aromen entwickelt, so dass Farbe und Geschmack gut zur mediterranen Küche passen. Mit Parmesan und etwas Sahne wird er zur leckeren Pasta-Sauce, alternativ auch kombiniert mit Erbsen, Kohlrabi und Schalotten. Auch ein Risotto lässt sich mit grünem Spargel zaubern, gut dazu passen Petersilie oder frisches Basilikum und Zitrone, auch paar frische Blätter Rucola.

Grüner Spargel enthält nicht nur reichlich wertvolle Inhaltsstoffe, er ist auch leichter zu verarbeiten. So muss höchstens das untere Drittel dünn geschält werden. Oft ist Schälen sogar überflüssig, zum Beispiel bei dünnen Stangen und bei Wildspargel. Die Garzeit ist mit fünf bis acht Minuten kürzer als beim weißen Spargel. Kaiser Augustus soll sogar gesagt haben: “Velocius quam asparagi conquantur” – „etwas schneller erledigen als man Spargel kochen kann”. Man kann grünen Spargel auch kurz in der Pfanne anbraten oder etwa zehn Minuten mit Olivenöl, Salz und frisch gemahlenem Pfeffer im Ofen rösten. Im Salat harmonieren rohe oder blanchierte Spargelstückchen zum Beispiel mit Feta und Tomate oder auch sommerlich mit Erdbeeren, schwarzem Pfeffer, Zitronensaft, Honig und Balsamico.

Bio kann Wüstenbildung bremsen


© UNCCD

Bio gibt es auch mitten in der Wüste: Vor rund 30 Jahren begann Ibrahim Abouleish in Ägypten auf 70 Hektar Gewürze und Heilkräuter zu kultivieren. Heute ist die Sekem Gruppe der größte Biobetrieb des Landes und produziert Bio-Rohstoffe für Tee, Lebensmittel, Textilien und pflanzliche Arzneimittel. Rund 2.000 Arbeitsplätze entstanden, und der Gewinn fließt zu einem Teil in die Fortbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und in die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen.

Weltweit sieht die Situation in von Natur aus wasserarmen, halbtrockenen und trockenen Gebieten allerdings deutlich schlechter aus: Der Grundwasserspiegel sinkt, Pflanzen verschwinden, Erosion lässt die Böden veröden. Gründe sind fast immer Eingriffe des Menschen wie Überweidung, Abholzung von Wäldern, zu hoher Wasserverbrauch, aber auch der durch den Lebensstil in Industrieländern verursachte Klimawandel. Der 17. Juni wurde schon vor 20 Jahren von den Vereinten Nationen zum Welttag zur Bekämpfung von Wüstenbildung und Dürre erklärt, um auf die Bedrohung für Millionen von Menschen aufmerksam zu machen.

Neue Entwicklungsmodelle sind nötig, denn Hunger und Armut bringt Menschen dazu, soviel aus dem Land herauszuholen wie möglich. Für Sekem ist die biologisch-dynamische Landbauweise langfristig die effektivste Methode, um Wüstenboden fruchtbar zu machen. Mit gutem Kompostmanagement wird die Bodenfruchtbarkeit aufgebaut, durch viel Handarbeit und eine gute Sortenwahl bei Obst und Gemüse werden Nährstoffe bestmöglich genutzt. Auch im reichen Saudi-Arabien, wo die konventionelle Landwirtschaft jahrzehntelang rücksichtslos Wasser verschwendet hat, setzt man seit einiger Zeit auf ökologische Landwirtschaft. Bis 2017 soll der Bio-Anteil in der Landwirtschaft fünf Prozent erreichen.

Frisches Stadtgemüse - Urban Farming boomt

Es grünt auf Balkons und Dächern, in Hinterhöfen und sogar auf Verkehrsinseln - und schon seit 150 Jahren in Schrebergärten: Gärtnern in der Stadt, neudeutsch Urban Farming, wird immer beliebter. Wer nicht allein gärtnern möchte, findet vielleicht eine von derzeit rund 400 bürgerschaftlich organisierten Gemeinschaftsgärten wie „Pflanzstelle Köln“, „O`pflanzt is“ in München oder „Annalinde“ in Leipzig. Immer häufiger kann man auch eine vorbepflanzte Parzelle von Anbietern wie „Ackerhelden“ oder „Meine Ernte“ mieten. Viele setzen auf ökologischen Anbau, um pestizidfreie Früchte ernten zu können und die Natur zu schonen.

 

Das gemeinschaftliche Graben, Säen und Ernten lässt nicht nur Möhren, Stachelbeeren und Dill sprießen, sondern auch den Gemeinschaftssinn. Viele Projekte haben ausdrücklich die Verständigung zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen, Generationen und Nationalitäten zum Ziel. Urbane Gärten sorgen zudem für mehr Grün in der Stadt, verbessern die Luftqualität und bieten Stadtkindern die Möglichkeit zu sehen, wie Lebensmittel entstehen. Werden die Gärten naturnah oder am besten ökologisch bewirtschaftet, sind sie auch Lebens- und Rückzugsraum für Pflanzen und Tiere. Das belegt das im Januar veröffentlichte Gutachten "Urbane Gärten für Mensch und Natur" des Bundesamtes für Naturschutz.

Urban Farming ist auch ein wichtiger Faktor der weltweiten Lebensmittelproduktion, denn Ackerfläche wird knapp und auch teuer. So liefern in Ghanas Hauptstadt Accra Stadt-Farmer bis zur Hälfte der Nahrungsmittel. Laut Worldwatch Institut werden weltweit mittlerweile 15 bis 20 Prozent der Nahrungsmittel in Städten produziert, Tendenz steigend. Deutschlands Städte bieten nach Einschätzung des Fraunhofer-Zentrums für intelligente Gebäudesysteme 360 Millionen Quadratmeter Dachfläche, die sich für den Anbau von Obst und Gemüse eignen, zum Beispiel Dächer von Supermarktketten, Industriegebäuden oder Bürokomplexen.

Keine Patente auf Tiere und Pflanzen!


Demo gg. Monsanto-Brokkoli © Thomas Einberger/argum

„Jetzt handeln – die Zukunft unserer Ernährung retten!“ Unter diesem Motto ruft die internationale Initiative „No Patents on Seeds!“ die Regierungen der EU-Staaten auf, politisch Druck auf das Europäische Patentamt (EPA) auszuüben. Denn eine aktuelle Recherche hat ergeben, dass das EPA bald weitere 30 Patente auf Pflanzen aus konventioneller Züchtung an Monsanto und deren Tochterfirmen und weitere zwölf an Syngenta erteilen wird. Betroffen sind Gemüse wie Tomaten, Paprika, Blumenkohl, Karotten und Salat.

Hintergrund ist, dass die Große Beschwerdekammer des EPA Ende März eine aus Sicht von „No Patents on Seeds!“ inakzeptable Auslegung der Patentgesetze und damit umstrittene Patente auf konventionell gezüchtete Tomaten und Brokkoli bestätigt hat. Das widerspricht dem europäischen Patentrecht, wonach „Pflanzensorten oder Tierrassen sowie im Wesentlichen biologische Verfahren zur Züchtung von Pflanzen oder Tieren“ nicht patentiert werden dürfen. „No Patents on Seeds“ befürchtet, dass die geplanten Patente die Marktkonzentration im Saatgutbereich weiter vorantreiben werden und die Grundlagen der Ernährung in die Abhängigkeit von einigen wenigen internationalen Konzernen gelangen.

Da das EPA keine Institution der EU ist, unterliegt es keiner direkten demokratischen oder gerichtlichen Kontrolle. Problematisch ist auch, dass das Amt sich über Gebühren der Antragsteller finanziert - es hat also ein Interesse daran, möglichst viele Patentanträge zu bearbeiten. Nun muss die Politik dafür sorgen, dass die Verbote im europäischen Patentrecht gestärkt werden. Wer den Aufruf der Zivilgesellschaft an die Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten unterzeichnen möchte, findet ihn auf der Website von „No Patents on Seeds!“.

Gojibeeren –
Bio-Superfood auch aus Deutschland

Gojibeeren, auch Wolfsbeeren genannt, haben den Biohandel erobert. Kein Wunder, enthalten die kleinen Beeren doch reichlich natürliche Antioxidantien, dazu viel Vitamin C. In der traditionellen chinesischen Medizin finden sie seit eh und je Verwendung. Allerdings waren Gojibeeren aus China, zum Teil auch angebliche Bio-Beeren, in der Vergangenheit immer wieder mit Pestiziden belastet. Mittlerweile gibt es auch Bio-Anbauprojekte in Europa, denn die Pflanzen brauchen zwar Sonne und Wärme, sind aber frosthart und stellen keine hohen Ansprüche.

So baut das Familienunternehmen Vitavitee seit einigen Jahren am Harz in Niedersachsen Gojibeeren ökologisch an und will den Anbau in Europa weiter voranbringen. Eine ausgeklügelte Tröpfchenbewässerung wurde installiert, und mehrere Bienenvölker sorgen für die Bestäubung. Gepflückt wird aufwändig per Hand. Im Angebot sind auch Pflanzen für Hobbygärtner. Auch in Bulgarien und Slowenien gibt es Bio-Anbauprojekte.

Goji-Pflanzen können über zwei Meter hoch werden. Die reifen Früchte sind je nach Sorte orange oder rot und ähneln einer Hagebutte, getrocknet eher einer länglichen Rosine. Sie eignen sich zum Backen, für Desserts, als Müsli-Zutat oder als vitaminreicher Snack. Gojibeeren und andere „Superfoods“ wie Acai- und Maulbeeren, Aronia, Chia- und Hanfsamen sind auch eine beliebte Zutat verschiedener Bio-Produkte, zum Beispiel Müslis, Riegel und Schokolade.