Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 5/2015

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Bio erleben beim Deutschen Mühlentag



Bio-Mühle Brücker Mühle in Amöneburg

Am Pfingstmontag laden wieder bundesweit über 1.000 Mühlen zur Besichtigung ein, oft verbunden mit Regionalmärkten, Brotback-Aktionen, Musik und Kinderprogrammen. Der Deutsche Mühlentag lockt inzwischen jedes Jahr hunderttausende Besucher an. Auch Mühlen, die Bio-Getreide oder Bio-Ölsaaten verarbeiten, sind dabei, zum Beispiel die Oferdinger Mühle in Reutlingen, die Donath-Mühle in Bad Wörishofen, die Wolfmühle im oberbayrischen Forstinning und die Bio-Mühle Eiling in Warstein, die alle ausschließlich Biogetreide verarbeiten.

In einigen Mühlen, die am Mühlentag teilnehmen, wird nicht nur Bio-Getreide gemahlen, sondern es ist auch ein Bioladen untergebracht, zum Beispiel in der Brücker Mühle im hessischen Amöneburg, in der Naturkostmühle Wachinger Mühle in Winkl und in der Wolfmühle. Andere mahlen auch Ölsaaten, wie die Riepenburger Windmühle in Hamburg-Kirchwerder und die Sanderland-Ölmühle in Mecklenburg-Vorpommern, wo Samen von Nachtkerzen, Ringelblume, Mohn, Lein und Schwarzkümmel vom angeschlossenen Bio-Hof gepresst werden. Frisches Bio-Mühlenbrot gibt es in der Mühle Schmilka in der Sächsischen Schweiz, erbaut 1665 und nach langen Jahren des Stillstands rekonstruiert.

Im Online-Verzeichnis der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde kann man Mühlen und ihr Mühlentags-Programm über eine Liste oder Karte finden. Alle lohnen einen Besuch, immerhin war das Technikwunder Mühle 2.000 Jahre lang die wichtigste Maschine der Menschheit. Früher ersetzten die erneuerbaren Energien Wasser und Wind die Muskelkraft. Die Erfindung der Dampfmaschine und später motorgetriebene und wetterunabhängige Industriemühlen ließen tausende Wind- und Wassermühlen verschwinden. In den 1950er Jahren brachte dann die Konzentration im Müllergewerbe das Aus für die meisten verbliebenen Betriebe. Einige überlebten nur, weil Bio-Pioniere sich für sie einsetzten und sie neu nutzten, zum Beispiel die Bohlsener und die Spielberger Mühle.

Anders essen, damit der Planet uns ernährt



(c) WWF 2015

Wenn wir so weiteressen wie bisher, steht schon in 35 Jahren nicht mehr genügend Ackerfläche pro Mensch zur Verfügung. Dazu trägt vor allem der Konsum tierischer Lebensmittel wie Fleisch, Milch und Eier bei. Insgesamt werden dafür über 70 Prozent der Agrarfläche benötigt, die ein Bundesbürger im Schnitt für seine Ernährung beansprucht. Das zeigt die neue WWF-Studie „Das große Fressen“. Der Bericht zeigt aber auch Auswege: In Zusammenarbeit mit Ernährungswissenschaftlern hat der WWF ein Zukunftsszenario mit einer Ernährungspyramide 2050 entwickelt, die abwechslungsreiche Ernährung mit den ökologischen Grenzen der Erde in Einklang bringt.

Danach müsste vor allem der ohnehin ungesund hohe Fleischkonsum auf 350 Gramm pro Woche halbiert werden. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht wäre das unproblematisch, da genügend Mineralstoffe wie Eisen und Zink aus Hülsenfrüchten und Getreideprodukten, zumal aus Vollkorn, aufgenommen werden können. Im Ausgleich dafür müssten deutlich mehr Getreideprodukte, Nüsse und Gemüse auf den Speiseplan, dazu proteinreiche Hülsenfrüchte wie Lupine oder Linsen, die in Deutschland heute kaum (noch) eine Rolle spielen, im Bio-Bereich aber Tradition haben. Der ökologische Landbau wird in der Studie, die auch Klimabilanzen betrachtet, als nachhaltigste Form der Landbewirtschaftung bezeichnet. Der WWF fordert daher, die Ausweitung auf europäischer und nationaler Ebene verbindlich festzuschreiben und den Bio-Flächenanteil in Deutschland bis 2020 auf 20 Prozent zu erweitern.

Nachhaltig Bio - für besondere Produktqualität



Website Nachhaltig Bio!

Nachhaltig Bio!* heißt die Kampagne, die besondere Nachhaltigkeitsleistungen von Bio-Unternehmen sichtbar machen soll. Dazu zählt neben Punkten wie Klimaschutz und sozialem Engagement auch der Einsatz für eine besondere Produktqualität. Hochwertige biologische Zutaten, der Verzicht auf Zusatzstoffe und eine transparente Kennzeichnung sind hoher Standard im Bio-Fachgeschäft. Aber darüber hinaus bieten viele Anbieter noch mehr. So sorgt Herbaria durch eine enge und langfristige Zusammenarbeit mit engagierten Biobauern auf der ganzen Welt dafür, dass besondere Spezialitäten im Bio-Fachhandel erhältlich sind, zum Beispiel Pfeffer-Raritäten aus den Urwäldern Südindiens. Bei der Auswahl der Anbaugebiete achtet das Unternehmen auf Klima, Lage und Boden, denn sie prägen den Geschmack und die Qualität von Gewürzen und Tees, ähnlich wie beim Wein.

 

Die Ökodorf Brodowin Molkerei begleitet die Milch der Tiere vom Futter bis zum Lebensmittel und verarbeitet die Kuh- und Ziegenmilch auf dem eigenen Hof. Das sorgt für hohe Transparenz und Sicherheit, zumal die Futtermittel aus eigener Erzeugung stammen. Eine besondere Produktqualität wird durch den Verzicht auf die Homogenisierung erzielt. Auch Life Food, Hersteller der Taifun-Tofuprodukte, geht bei der Sicherung der Produktqualität einige Schritte weiter als üblich und kann so 99,9 Prozent Gentechnikfreiheit garantieren. Zum Engagement zählen die eigene Bio-Saatgutvermehrung, das aufwändige Kontrollsystem für die Sojabohnen auf gentechnische Verunreinigungen und der Soja-Vertragsanbau in Mitteleuropa.

Weitere Praxisbeispiele von Unternehmen der Naturkostbranche finden Sie auf der Website „Nachhaltig Bio!“.

*„Nachhaltig Bio!“ wird gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN).

Geht doch: die Plastikflut stoppen



(c) DUH

Spätestens der Film „Plastic Planet“ hat klar gemacht, dass wir jahrzehntelang zu sorglos auf immer mehr Plastik gesetzt haben: Mikroplastik im Meer und in der Nahrungskette bedroht heute die Gesundheit von Mensch und Tier, bei der Verbrennung entstehen Klimagase, beim Abbau, der Jahrhunderte dauern kann, werden Schadstoffe freigesetzt. Dennoch nutzen wir immer mehr Kunststoffe, vor allem für Verpackungen und im Baugewerbe, aber auch im Fahrzeugbau, für Möbel, Elektrogeräte und in der Landwirtschaft. Das zeigt eine neue Studie „Plastikvermeidung in Deutschland“ des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie im Auftrag des NABU.

Bis 2030 könnte allein in Deutschland 28 Prozent mehr Plastik im Umlauf sein als 2013, schreiben die Autoren, die dieser Zahl auf Grundlage eines moderaten Wachstums des Bruttoinlandsprodukts errechnet haben. Als Lösungswege nennt die Studie vor allem die konsequente politische Förderung von Mehrwegsystemen sowie Anreize für die Wirtschaft, Kunststoffe sparsam zu nutzen und lang haltbare und reparierbare Produkte zu produzieren. Aber auch die Konsumenten könnten helfen, die Plastikflut zu stoppen, zum Beispiel durch unverpacktes Einkaufen und durch "Nutzen statt Besitzen“, vor allem bei selten genutzten Werkzeugen, Fahrzeugen oder anderen Gebrauchsgegenständen.

Durch Anstrengungen auf allen Ebenen könnten bis 2030 deutlich weniger, mit Hilfe massiver Eingriffe des Gesetzgebers sogar 80 Prozent weniger Kunststoffe eingesetzt werden als prognostiziert, sind die Autoren überzeugt. Allein die Innovationsfähigkeit des Markts reiche allerdings nicht aus, da der niedrige Ölpreis kaum Anreize biete. "Der Staat muss seine Verantwortung wahrnehmen, indem er den Ressourcenverbrauch besteuert und Vorgaben zum Ökodesign von Kunststoffprodukten macht“, fordert daher NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Weniger eintüten, Umwelt schützen

82 Prozent der Bundesbürger können sich laut einer aktuellen Umfrage vorstellen, Lebensmittel ohne Verpackung einzukaufen. Und immer mehr Menschen bemühen sich, weniger Verpackungsmüll anzuhäufen. Der Naturkostfachhandel möchte seine Kunden dabei so gut wie möglich unterstützen. Daher bieten viele Bioläden und Bio-Supermärkte Mehrwegtaschen, waschbare Mehrwegnetze für Obst und Gemüse, Mehrwegboxen für Eier oder Pfand-Tiefkühltaschen an. Der Verzicht auf weichmacherhaltige Folien für Käse und Wurst ist selbstverständlich.

Ein im Februar veröffentlichter Verpackungsleitfaden für Bio-Fachgeschäfte (des BNN e.V.) zeigt aber auch, dass es nicht immer eine klare Lösung gibt: So sind Papiertüten für Obst und Gemüse ökologisch nur dann vorteilhafter als Plastik, wenn man sie mehrfach verwendet. Dafür brauchen sie nicht Jahrhunderte, um zu zerfallen. Auch Tüten, die als „biologisch abbaubar“ angepriesen werden, sind bisher keine Alternative: Sie brauchen in der Umwelt oft genauso lange wie herkömmliche Plastiktüten, um zu zerfallen. Der Verpackungsleitfaden empfiehlt daher, auf Mehrweg zu setzen, wo immer das möglich ist.

Tipps für den Einkauf im Bio-Fachgeschäft:

  • für Obst und Gemüse Papier- und Plastikbeutel mehrfach oder Mehrwegnetze nutzen
  • Bananen, Kohlköpfe und Co. ohne Tüte in den Wagen legen
  • Brot und Brötchen in einen sauberen Baumwollbeutel packen lassen
  • die zahlreichen Mehrweglösungen im Bio-Fachgeschäft nutzen, z.B. für Säfte, Bier, Wasser, Milch und Joghurt
  • einige Läden bieten lose Bio-Ware zum Selbstabfüllen an, z.B. Reis, Müsli, Nudeln und Reinigungsmittel
  • den Einkauf umweltfreundlich in Stofftaschen, Körben, Fahrradtaschen und Rucksäcken nach Hause transportieren