Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 4/2015

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

„Bantam!“ - Deutschland vergolden!


© Bantam/SOS

Bis vor 100 Jahren war Saatgut noch ein öffentliches Gut. Heute beherrschen die zehn größten Saatgutunternehmen der Welt über 70 Prozent des Handels. Sie setzen auf nicht vermehrbare Hybridsorten oder sogar auf gentechnisch veränderte Pflanzen. Die Sortenvielfalt ist seitdem auf ein Viertel geschrumpft, und das betrifft auch Blumen und Gemüse in unseren Gärten. Viele bewährte samenfeste Sorten sind verschwunden, auf den meisten Samentüten steht das Kürzel „F1“ für Hybride. Umso wichtiger, dass die „Aktion Bantam“ seit zehn Jahren auf die Bedeutung der genetischen Vielfalt aufmerksam macht und vor der Monopolisierung des Saatguthandels warnt. Und sogar eigenes Saatgut anbietet, damit die Tradition der natürlichen Vermehrung und des freien Austausch wieder auflebt. Neben dem mittlerweile bekannten Mais „Golden Bantam“ gibt es unter anderem Leinsamen und Seedballs mit Saat von bunten Blühpflanzen. So kann jeder zum Erhalt samenfester Sorten beitragen – ob auf dem Acker, im Garten oder auf dem Balkon.

Der Clou der erfolgreichen Aktion von „Save our Seeds“ in der Zukunftsstiftung Landwirtschaft ist die „Goldene Bantam-Karte“, auf der mittlerweile Zehntausende Standorte von samenfestem Süßmais verzeichnet sind. Ein deutliches Zeichen gegen Gentechnik: Wo Bantam steht, wächst keine Gentechnik! Denn die Gefahr, dass sich das Tor für Agro-Gentechnik in Deutschland und Europa weit öffnet, ist größer denn je: Das geplante Freihandelsabkommen TTIP bedroht die hart erkämpfte Gentechnikfreiheit.

Wer helfen will, Deutschland auch 2015 zu vergolden, findet im Naturkost-Fachhandel oder online samenfestes Bio-Saatgut, zum Beispiel direkt bei der Bingenheimer Saatgut AG. Ab sofort kann man die Pflänzchen an einem warmen Ort vorziehen, nach dem letzten Frost wird der Mais an einem sonnigen Ort ausgesät oder eingesetzt. September ist Erntezeit!

Rohkost – bunt und gesund


© ec organic

Macadamia-Lasagne, Zucchini-Spagetti mit Zuckermais-Pesto, Schoko-Cashew-Eis –  die „Haute Cuisine Crue” der Rohkost-Gourmets bietet viel mehr als Obstsalat und Gemüsesticks. Raw-Food-Restaurants sind hip in Hollywood und New York, und auch in Deutschland bieten immer mehr Restaurants, Hotels und Caterer Rohkost-Menüs. Die Konsumenten-Messe „Rohvolution“ verzeichnet jedes Jahr mehr Besucher, und auch der Buchmarkt bietet zahlreiche Titel zu „Raw Food“ und „Rohgenuss“.

Rohkost, das sind größtenteils naturbelassene Lebensmittel, die gar nicht oder höchstens bis 42 Grad erhitzt worden sind. Dadurch bleiben die meisten Vitamine und Nährstoffe erhalten. Obst und Gemüse, Nüsse, Pilze, Sprossen und Trockenobst sind die wichtigsten Bestandteile, je nach Überzeugung kommen dazu schonend gepresste Öle, Essig, Getreidegräser, kalt geräucherte Fleischerzeugnisse oder auch Wildpflanzen, die besonders reich an Mineralstoffen, Vitaminen und sekundären Pflanzeninhaltsstoffen sind.

Wer eine Ernährungsumstellung auf Rohkost plant, sollte sich gut informieren und eventuell auch einen Berater suchen. Denn je stärker die Lebensmittelauswahl eingeschränkt wird, desto leichter kann ein Nährstoffmangel auftreten. Insbesondere für Schwangere, Stillende, Kinder und ältere Menschen ist eine reine Rohkost-Ernährung daher nicht empfehlenswert. Ein Mehr an Rohkost in der täglichen Ernährung ist dagegen der ideale Vorsatz für den Frühling, denn mehr Obst und Gemüse und weniger stark verarbeitete Lebensmittel sind unbestritten gut die Gesundheit. Im Bio-Fachgeschäft sind zudem leckere Snacks zu entdecken, die der Raw-Food-Trend hervorgebracht hat: „Raw-Bite“-Riegel, „rawlicious“ Grünkohlchips und „Lovechoc“ mit rohem Kakao, aber auch hochwertige Zutaten in Bio-Qualität für eigene Rohkost-Rezepte, zum Beispiel Kokosöl, Gojibeeren, Baobab-Pulver, Kokosblütenzucker und Chia-Samen – und natürlich frisches Obst und Gemüse!

Zu viel Dünger: Stickstoff schädigt Ökosysteme

Ein aktuelles Hintergrundpapier des Umweltbundesamts hat erneut gezeigt, dass der Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln in der intensiven Landwirtschaft zahlreiche Umweltprobleme verursacht. Besonders negativ wirken sich die hohen Stickstoffeinträge in Luft, Wasser und Boden aus, die heute zu 60 Prozent aus der Landwirtschaft stammen. Die Folgen sind Arten- und Biotopschwund, Luftbelastungen, die Überdüngung von Binnengewässern und Meeren und eine Verstärkung des Klimawandels.

Das im Januar veröffentlichte Sondergutachten des Sachverständigenrats für Umweltfragen empfiehlt Bund und Ländern daher, eine umfassende nationale Stickstoffstrategie zu entwickeln. Die Experten fordern, das Ausbringen von Gülle und Gärresten strenger zu regeln und eine Umweltabgabe auf Stickstoffüberschüsse aus der Landwirtschaft einzuführen. Außerdem schlagen sie vor, den ermäßigten Mehrwertsteuersatz auf Fleisch, Eier und Milchprodukte abzuschaffen.

Die Stickstoffüberschussabgabe würde fällig werden für Landwirtschaftsbetriebe, deren Stickstoffbilanz bestimmte Grenzwerte überschreitet. Das auch „Hoftorbilanz“ genannte Instrument soll Teil der von Bundesagrarminister Christian Schmidt geplanten neuen Düngeverordnung werden, zunächst jedoch nur für Großbetriebe und erst ab 2018. Hintergrund ist, dass in Deutschland der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter Wasser an mehr als der Hälfte der von der EU überwachten Messstellen überschritten wird. Weil die Bundesrepublik damit gegen die EU-Wasser-Rahmenrichtlinie verstößt, läuft ein Vertragsverletzungsverfahren. In einigen Regionen kann der Trinkwassergrenzwert für Nitrat nur noch durch aufwändige Maßnahmen eingehalten werden – auf Kosten aller Steuerzahler.

Bio mit dem Smartphone finden?

Wir nutzen Apps auf dem Smartphone fürs Wetter, für Busverbindungen und für aktuelle Nachrichten, aber gibt es auch gute Anwendungen, um im Urlaub oder auf einer Dienstreise einen Bioladen zu finden? Bio123 ist so eine App für Apple und Android, ausgezeichnet auf der CeBIT mit dem Innovationspreis 2015 der Initiative Mittelstand in der Kategorie "Apps". Mit Bio123 kann man nach Eingabe der Postleitzahl Bioläden und Direktvermarkter in der Nähe finden und bei einigen auch online bestellen. Allerdings sind die Adressen nicht immer vollständig und aktuell, und auch die Benutzerführung ist gewöhnungsbedürftig. So findet man Bio-Supermärkte beispielweise nicht in Kategorie Bioläden, sondern nur unter Supermärkte.

Auch bei der ebenfalls für beide Handy-Betriebssysteme erhältlichen App „Such dich grün” ist die Handhabung weniger einfach und intuitiv als erwartet, zudem sind die Einträge nicht immer wirklich „grün“: So erscheinen zum Beispiel in der Kategorie „Essen und Trinken“ auch Niederlassungen einer Tee-Verkaufskette, die vorrangig konventionelle Sorten anbietet, zudem als „Naturkostläden“ bezeichnet. In den drei getesteten Städten fehlten einige Bio-Fachgeschäfte. Damit ist „Such dich grün“ deutlich verbesserungsbedürftig.

Die App „eve-Bio-Scan” konnte leider nicht getestet werden, da sie weder auf Android-Geräten noch auf älteren Apple-Geräten läuft. Wie die App „Codecheck“ und die bekannte Kosmetik-App „ToxFox“ liefert sie nach Einscannen des Barcodes Informationen zu Inhaltsstoffen, wenn das Produkt in der Datenbank ist.

Fazit: Wer auf Reisen einen Bioladen sucht oder online Bioprodukte bestellen möchte, kann es mit „Bio123“ versuchen. Sicherer und schneller zum Ziel kommt man aber vermutlich mit einer Online-Suche im Browser.

Weltweiter Aktionstag gegen TTIP, CETA & TiSA


© TTIP unfairhandelbar

Am 18. April findet ein globaler Aktionstag gegen die Handelsabkommen TTIP, CETA und TiSA statt. Hunderte Organisationen rufen dazu auf, diese Freihandels- und Investitionsabkommen zu stoppen und eine Wirtschaft zu fördern, die den Menschen und der Umwelt dient. TTIP stellt an vielen Punkten die Interessen von Unternehmen aus den USA und Europa in den Mittelpunkt. Sie würden durch das Abkommen einen deutlich größeren Einfluss auf die Gesetzgebung erhalten als bisher. Aber auch viele hohe Sozial-, Umwelt- und Verbraucherschutzstandards stehen auf dem Spiel. Zudem ist mittlerweile bewiesen, dass die Prognosen der Befürworter zu Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätzen um das Zehnfache zu hoch waren.

Die ökologische Landwirtschaft ist besonders gefährdet, da die Regelungen für gentechnisch veränderte Organismen aufgeweicht werden könnten. Denn anders als in der EU sind das Vorsorgeprinzip und Zulassungsprüfungen in den USA unbekannt. Weitere umstrittene Punkte sind das Chloren von Schlachthähnchen, das Klonen sowie der Einsatz von Wachstumshormonen und Antibiotika in der Tiermast.

In Deutschland finden in zahlreichen Städten Aktionen statt, zum Beispiel in Karlsruhe eine Fahrraddemo und in Hannover eine Bündniskundgebung unter dem Motto „Wir lassen uns nicht verkaufen!“ mit Rahmenprogramm, unter anderem „Frei“handelskino und das „Quartett der Mächtigen“. In München steht die Demonstration unter dem Motto  „P-Lobbyisten führen das trojanische Pferd TTIP an der Leine“. Zahlreiche Bands und Redner begleiten die Veranstaltung. Sämtliche Termine sind auf einer Online-Karte auf der Website des Bündnisses „TTIP unfairhandelbar“ zu finden. Termine weltweit meldet die Website „Stop TTIP“.