Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 3/2015

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Feldhasen - Feinschmecker im Feld

Der Osterhase trägt in diesem Jahr eine besondere Auszeichnung: Sein Namensgeber, der Feldhase, ist Tier des Jahres 2015, gewählt von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild. Doch während der Osterhase im Frühling zuverlässig bei Familien mit Kindern seinen Job erledigt, steht der Feldhase seit langem auf der Roten Liste, weil sein Lebensraum immer knapper wird. Seit den siebziger Jahren geht es mit den Beständen bergab, denn unsere Agrarlandschaften werden immer eintöniger.

Hasen können in intensiv bewirtschafteten Monokulturen, in denen Landwirte mit Pestiziden jedes Wildkraut vernichten, nicht überleben. Sie brauchen als Pflanzenfresser eine große Kräuter-, Blüten- und Samenvielfalt. Nur bei ausreichendem Nahrungsangebot schafft es der Nachwuchs, denn die Qualität des Futters wirkt sich direkt auf die fettreiche Milch der Häsinnen aus. Genauso wichtig fürs Überleben sind Feldgehölze und Hecken zum Ausruhen und Verstecken, denn Hasen haben viele Feinde  – und anders als Kaninchen leben sie ausschließlich oberirdisch.

Ökologisch wirtschaftende Betriebe verzichten nicht nur auf Pestizide und fördern damit die Artenvielfalt. Bio-Landwirte legen auch Blühstreifen an, pflegen Strukturen wie Feldsäume, Gehölze und kleine Gewässer und fördern seltene Ackerwildkräuter wie Acker-Rittersporn, Gezähnten Feldsalat und Wildes Stiefmütterchen. Das kann man nachzählen: Auf ökologisch bewirtschafteten Äckern wachsen zwei- bis dreimal mehr Ackerwildkrautarten als auf konventionellen. Da hat auch der Feldhase frohe Ostern! (Der Feldhase © Nabu.de / Frank Derer).

Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl – ein Kraftpaket

Das Internet ist voller Hilferufe von Deutschen aus dem Ausland, wie den USA, Australien, der Türkei oder Malta: Wo bekomme ich Quark? Wie backe ich Käsekuchen mit Joghurt? Quark ist in vielen Ländern so unbekannt wie Vollkornbrot oder Rohmilchkäse. Dabei ist Quark ein echtes Multitalent: auf Brot mit Marmelade, als Dessert mit Früchten, herzhaft mit Kräutern oder als schnelle Pizza mit Quark-Öl-Teig.

Quark ist reich an hochwertigem Eiweiß und Kalzium. In der klassischen Kombination mit Pellkartoffeln erreicht die Eiweißzusammensetzung Idealwerte. Wer nun noch Frühlingszwiebeln und Bio-Kräuter aus dem Topf oder frische Kresse, ersatzweise Tiefkühlkräuter in den Quark mischt und dazu Leinöl reicht, hat eine schnelle, leckere und perfekte Sache angerührt: Hochwertiges Eiweiß, lange sättigende Kohlenhydrate und reichlich Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Das traditionelle „Arme-Leute-Gericht“ aus der Lausitz und insbesondere dem Spreewald ist also eigentlich eine ausgesprochen reiche Mahlzeit.

Die mehrfach ungesättigten Fettsäuren sind allerdings auch der Grund, warum Leinöl an der Luft relativ schnell verdirbt. Im Bio-Fachhandel gibt es das hochwertige Öl daher in lichtgeschützten Flaschen. Entscheidend für die Qualität sind die schonende Kaltpressung und Abfüllung unter Licht- und Luftabschluss und eine kurze Lagerung. Bei Ölen von Byodo und Bio Planète werden zudem unerwünschte Bitterstoffe mit einem besonderen System herausgefiltert - die Zusammensetzung der Fettsäuren bleibt dabei erhalten.

Das gesunde Leinöl sollte man auch zu Hause möglichst schnell verbrauchen. Das ist gar nicht so schwer: Es passt nicht nur zu Kräuterquark, sondern zum Beispiel auch in ein Rote-Beete-Risotto und in eine Vinaigrette für den ersten Wildkräutersalat. Oder einfach mal das tägliche Frühstück aufwerten: Quark mit etwas Joghurt oder Milch und etwas Honig glattrühren, dazu zwei bis drei Esslöffel Leinöl, einen Esslöffel Leinsamen, ein Esslöffel gehackte Mandeln, eine klein geschnittene Banane und einige Himbeeren.

Bloß keinen Gentechnik-Flickenteppich!

Die im Januar in Brüssel verabschiedete Opt-out-Klausel stellt es jedem EU-Staat frei, ob der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen erlaubt wird. In Deutschland will Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt die Umsetzung den Bundesländern überlassen. Damit eine Gentech-Sorte in Deutschland untersagt wird, bräuchte es somit 16 erfolgreiche Verbotsverfahren, die die Saatgutkonzerne einzeln vor Gericht anfechten könnten. „Schon jetzt ist es so, dass in Europa ein Flickenteppich aus Gentech-freien und Gentech-anbauenden Staaten entstehen kann. Wälzt man die Entscheidung nun außerdem auf Bundesländerebene ab, werden wir der Situation nicht mehr Herr. Gentech-Anbau wäre damit faktisch Realität in Deutschland“, warnt Elke Röder, Geschäftsführerin des Bundesverband Naturkost Naturwaren.

Die Agro-Gentechnik muss weltweit gestoppt werden, damit eine gentechnikfreie Ernährung möglich bleibt. Die internationale Dachorganisation für den Öko-Landbau IFOAM – Organics International unterstützt daher den Offenen Brief „The Letter from America“ von 60 Millionen US-Bürgern an die Menschen in der EU, der davor warnt, dem Beispiel USA zu folgen.

 

Dort kämpfen Landwirte und Verbraucher seit 20 Jahren mit den Problemen des Gentech-Anbaus. Dabei hätten die gentechnisch veränderten Sorten nie die versprochenen Vorteile wie erhöhte Erträge und verringerten Pestizideinsatz gebracht. Im Gegenteil, der Pestizidverbrauch sei sogar um 24 Prozent gestiegen. Etwa 70 Prozent aller verarbeiteten Lebensmittel in den USA enthalten heute gentechnisch veränderte Zutaten.

In Deutschland könnte die Bundesregierung die Voraussetzungen für bundesweite Gentechnik-Verbote schaffen, so die Wahlfreiheit für Verbraucher garantieren und den Herstellern ökologischer und gentechnikfreier Lebensmittel enorme Kosten für Warentrennung sowie Analysen ersparen. Campact sammelt dafür mit der Aktion „Gentechnik-Verbot bundesweit!“ Unterschriften, die an Bundesagrarminister Schmidt übergeben werden sollen.

Johanniskraut – ein Heilkraut mit Geschichte

Gartheil, Jesuswundenkraut, Jageteufel – das Echte Johanniskraut hat im Laufe der Jahrhunderte viele Namen erhalten, die von seiner Heilkraft zeugen. Im ältesten erhaltenen Dokument der mittelalterlichen Klostermedizin, dem „Lorscher Arzneibuch“ aus dem 8. Jahrhundert, wird das Kraut erstmals zur Behandlung von „Melancholie“ empfohlen. Heute ist Johanniskraut anerkannt als Mittel gegen leichte bis mittelschwere depressive Verstimmungen, Schlafstörungen und nervöse Unruhe.

Im Naturkosthandel erhältlich sind Tees, zum Beispiel von Sonnentor und Herbaria und der niedrig dosierte Frischpflanzensaft von Schoenenberger. Um die gewünschte Wirkung zu erzielen, sollten Tee oder Saft über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.  Zur äußerlichen Anwendung ist das Johanniskrautöl gedacht, wegen seiner typischen Färbung auch Rotöl genannt. Das Öl hat entzündungshemmende Eigenschaften und beruhigt trockene, rissige und schuppige Haut. Rotöl eignet sich auch für die Behandlung von Schnitt- und Schürfwunden sowie bei Prellungen oder Zerrungen. Für die Herstellung werden Johanniskrautblüten zwei Monate in kaltgepresstes Oliven- oder Sonnenblumenöl einlegt. Hoch dosierte Johanniskrautpräparate unterliegen der Apothekenpflicht, denn die Inhaltsstoffe können die Wirkung eines Enzyms verstärken, dass andere Arzneistoffe im Körper abbaut.

Johanniskraut zählt heute zu den am besten erforschten Arzneikräutern, dennoch sind immer noch Fragen offen und es wird weiter intensiv geforscht. Spezielle Extrakte werden zum Beispiel bei Alzheimer getestet, aber auch für die Therapie bestimmter Krebsarten. Der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg hat das Johanniskraut zur Arzneipflanze des Jahres 2015 gewählt. (© Maria Lanznaster / pixelio.de).

Bio – nicht ohne Klimaschutz!

Bio-Unternehmen handeln und produzieren nicht nur nach den Kriterien der EU-Öko-Verordnung und der Bio-Anbauverbände, sondern setzen auf Nachhaltigkeit auf allen Ebenen. Dieses Engagement macht die Kampagne „Nachhaltig Bio!“* sichtbar. Besonders im Bereich „Energie & Klimaschutz“ ist die Biobranche mit Energie-Sparmaßnahmen, eigener Energieerzeugung und umweltfreundlicher Logistik seit vielen Jahren Vorreiter.

So betreibt der badische Großhändler Rinklin Naturkost eine eigene Photovoltaik-Anlage, die rund 40 Prozent des Strombedarfs abdeckt. Durch intelligente Kältetechnik und die Nutzung ihrer Abwärme zum Heizen wird zudem viel Energie eingespart. Ökoland lässt für das Projekt „Klimaneutrale Superwurst“ seit 2008 sämtliche Produktionsprozesse nach dem Stop-Climate-Change Standard analysieren und zertifizieren. Dadurch werden ständig neue Einsparpotenziale aufgespürt, die auch anderen Ökoland-Produkten zu Gute kommen. Bei Lammsbräu führten vor allem eine neue Kälteanlage, eine Solarthermie-Anlage sowie Prozessoptimierungen zu Einsparungen. Der Berliner Großhändler Terra Naturkost betreibt ein eigenes Blockheizkraftwerk und nutzt Holz-Umverpackungen und Holzabfälle zur Energiegewinnung in einer Hackschnitzelheizung. Damit kann etwa die Hälfte des Wärmebedarfs gedeckt werden.

Fast alle Bio-Unternehmen beziehen ausschließlich Strom aus regenerativen Quellen oder speisen sogar selbst produzierten Ökostrom in das öffentliche Netz ein. Übrigens: Die Unternehmen im Bundesverband Naturkost Naturwaren messen ihre Leistungen regelmäßig freiwillig mit dem BNN-Nachhaltigkeitsmonitor. Mit Hilfe von mehr als 120 Nachhaltigkeitsindikatoren werden Erfolge und Entwicklungspotentiale sichtbar. Mehr Praxisbeispiele von Unternehmen der Naturkostbranche auf der Website Nachhaltig Bio! (Nachhaltig Bio! © BNN).

*„Nachhaltig Bio!“ wird gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere
Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN).