Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 2/2015

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Kulinarisches Kino – Filme für mehr Genuss

Zu einem Film passen für viele am besten Popcorn, Chips oder Weingummi. Das Festival „Kulinarisches Kino“ im Rahmen der Berlinale beweist seit zehn Jahren, dass „Film & Food“ auch für die Erforschung des Geschmacks und die künstlerische Annäherung an Genuss sowie Verantwortung und Lebensmittelvielfalt stehen kann. 2009 eröffnete zum Beispiel FOOD, INC. das Programm, ein bis heute aktueller Film über die dunklen Seiten der Lebensmittelindustrie.

Auftaktfilm in diesem Jahr war der Dokumentarfilm „Good Things Await“ – "Viel Gutes erwartet uns" über einen dänischen Demeter-Landwirt. Sein Gemüse und sein Fleisch sind sehr gefragt: Das Spitzen-Restaurant NOMA in Kopenhagen und viele dänische Küchenchefs von Weltrang beziehen es regelmäßig. Trotzdem hat der engagierte Bauer Probleme mit EU-Vorschriften und Tierschutz-Kontrollen, sogar die Schließung des Hofs droht. Kinostart ist am 19. März.

Insgesamt laufen 13 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme, ausschließlich deutsche Erstaufführungen. Nach den Vorführungen kreiert jeweils ein Spitzenkoch ein Menü, das vom Film des Abends inspiriert ist. Der Film „An Omnivorous Family’s Dilemma“ behandelt einen Konflikt zwischen Fleisch- und Gemüse-Essern und „Seeds of Time“ zeigt, wie der Agrarexperte Cary Fowler die Vielfalt der Kulturpflanzen retten will. Er initiierte unter anderem den größten Tresor für Samen aus aller Welt im Permafrost der Insel Spitzbergen.

Entscheidend für das Kulinarische Kino“ waren die Impulse von Slow-Food-Präsident Carlo Petrini und Alice Waters, Chefköchin aus Kalifornien und Begründerin von „Edible-Schoolyard“, einem Bildungsprogramm, das sich dafür einsetzt, dass Kinder und Jugendliche als Teil des Lehrplans im Schulgarten Zutaten anbauen, ernten und gemeinsam zubereiten. Petrini und Waters wurden am 8. Februar 2015 mit der „Berlinale Kamera“ geehrt.

Butter bitte, aber Bio!

„Gute Butter“ nannte man sie früher, doch dann galt sie viel zu lange als ungesund. Heute sagen Ernährungsexperten: Gegen den Buttergenuss beim Kuchenbacken, auf einer Scheibe frischem Brot oder zu Pellkartoffeln spricht nichts. Butter ist ein reines Naturprodukt, gut bekömmlich, enthält die fettlöslichen Vitamine A, D und E und zudem reichlich Omega-3-Fettsäuren. Das gilt aber nur für Butter, die aus Milch von frei lebenden Kühen hergestellt ist. Bio-Butter sollte es also schon sein, denn die meisten konventionell gehaltenen Tiere stehen das ganze Jahr im Stall und erhalten Kraftfutter, manchmal gentechnisch verändert. Nur die Verpackungen gaukeln friedlich weidende Kühe vor, gern in einer Bergidylle.

Bio-Milchvieh erhält tatsächlich frisches Grün von der Weide und im Winter Raufutter aus Gras, Heu oder Grassilage. Das sorgt für das Qualitäts-Plus der Milch und somit auch der Bio-Butter. Aufgrund des höheren Anteils an ungesättigten Fettsäuren ist Bio-Butter zudem streichfähiger und hat einen hohen Beta-Carotin-Gehalt, erkennbar an der gelberen Farbe.

Auch bei der Herstellung gibt es einen Qualitätsunterschied. Im konventionellen Supermarkt findet man fast ausschließlich „mildgesäuerte Butter“, für die Süßrahmbutter nachträglich gesäuert wird, zum Beispiel mit Milchsäurekonzentrat. Das spart Zeit und Geld. Im Bio-Fachhandel gibt es dagegen echte Süß- und Sauerrahmbutter. Das wirkt sich auf den Geschmack aus: Im letzten Jahr ließ die Zeitschrift „Der Feinschmecker“ 20 Süßrahm-Buttersorten von Küchenchefs, Patissiers und Fachhändlern testen. Von den sechs besten stammten drei aus Bioproduktion (Bio-Süßrahmbutter der Gläsernen Molkerei, Bio-Süßrahmbutter der Upländer Bauernmolkerei und ÖMA Allgäuer Bauernbutter). Normale Markenbutter war nicht unter den Siegern. Die Tester sprachen der schonend langsamen Herstellung und der Haltung des Milchviehs eine große Rolle für das gute Aroma zu.

Bodenatlas zeigt: Land wird zur knappen Ressource

Warum wird Land immer teurer? Wieviel Boden geht jedes Jahr verloren? Zum Internationalen Jahr des Bodens liefert der neue „Bodenatlas“ mit zahlreichen Grafiken und Texten fundierte Informationen. Rund 90 Prozent aller Lebensmittel hängen direkt oder indirekt vom Boden ab. Doch Monokulturen mit Höchsterträgen durch den Einsatz von mineralischem Dünger und Pestiziden sind nicht die Lösung, urteilen die Autoren. Europaweit hätten inzwischen 45 Prozent der Böden deutlich an organischer Substanz verloren, die natürliche Fruchtbarkeit sinkt.

Ein Kapitel widmet sich speziell der Bio-Landwirtschaft, denn sie steigert die Fruchtbarkeit des Bodens und betrachtet Bodenlebewesen als leistungsfähige „Mitarbeiter“ statt sie durch Überdüngung auszuhungern. "Humus, Wasser, Pflanzen oder auch Pilze, die den Boden durchwirken, schaffen im Ökolandbau eine fest miteinander verbaute Bodenstruktur, die auch längeren Trockenzeiten oder massiven Niederschlägen gut standhalten kann", erläutert BUND-Agrarexpertin Reinhild Benning. Statt Höchsterträge biete Bio eine kontinuierliche und zuverlässige Ertragsstabilität.

 

Ein weiteres erschreckendes Ergebnis: Die EU kann ihre Bürger nur ernähren, indem sie Anbaugebiete auf anderen Kontinenten nutzt, vor allem für den Anbau von Viehfutter. Fast 60 Prozent der für den europäischen Konsum genutzten Flächen liegen außerhalb der EU. Dieser gewaltige Landbedarf führt gerade in Entwicklungsländern zu Grundstückskäufen im großen Stil. Solche Landgeschäfte sind meist undurchsichtig, viele Investoren und auch staatliche Stellen operieren im Graubereich. Kleinbauern und indigene Bevölkerungsgruppen sitzen beim „Land Grabbing“ fast immer am kürzeren Hebel und verlieren ihr Land und damit ihre Nahrungs- und Existenzgrundlage. Weitere Kapitel widmen sich den Problemen von synthetischem Mineraldünger, dem Landverlust durch zu hohen Fleischkonsum, der Bodenkunde und der Bodenpolitik.

Bodenatlas: Daten und Fakten über Acker, Land und Erde. 52 Seiten. Veröffentlicht von Heinrich-Böll-Stiftung, Institute for Advanced Sustainability Studies, BUND, Le Monde diplomatique. Der Bodenatlas ist erhältlich in einer gedruckten Version, als PDF und als Online-Dossier.

“Frei von” - unbeschwerter Genuss für sensible Esser

„Bitte mit ohne…“ hieß eine Veranstaltung auf der weltweit größten Bio-Messe, der BIOFACH in Nürnberg in diesem Februar, und am Neuheitenstand gab es die neue Trendkategorie „Free From“. Deutliche Zeichen dafür, dass das traditionell immer schon große Sortiment an gluten-, laktose- und eifreien Lebensmitteln im Naturkosthandel immer reichhaltiger wird.

Für Nahrungsmittelallergiker und Menschen, die bestimmte Inhaltsstoffe nicht vertragen oder aus anderen Gründen meiden, ist diese Vielfalt ein Segen. Sie erleichtert das Leben und ermöglicht mehr Genuss. Experten schätzen, dass in Deutschland jeder fünfte Erwachsene an Laktose-Intoleranz leidet, weil der Milchzucker im Darm nicht ausreichend aufgespalten wird. Etwa ein Prozent der Konsumenten leidet unter Zöliakie und muss daher das Kleber-Eiweiß Gluten in Getreide meiden. Viele stellen heute ihre Ernährung auch probeweise um und stellen manchmal fest, dass ihre Beschwerden dann abnehmen. Auch Menschen, die nicht auf bestimmte Nahrungsmittel verzichten müssen, profitieren. Denn die Auswahl zum Beispiel bei Brot, Müsli und Gebäck wird immer bunter, weil eine größere Vielfalt an Zutaten verarbeitet wird, statt Roggenbrot oder Haferflocken kann es daher auch mal Produkte mit Zutaten wie Hirse, Mais, Reis, Buchweizen oder Quinoa geben.

Kunden, die beim Essen auf spezielle Inhaltsstoffe achten, schenken Bio besonderes Vertrauen. Aus gutem Grund, denn Bio-Hersteller wie Bauck und Werz haben eine langjährige Kompetenz in diesem Segment, und die Beratung im Fachhandel ist traditionell gut. Auch das Zutatenverzeichnis bei Bio-Produkten ist detaillierter und liefert somit eine bessere Auskunft über die Inhaltsstoffe. Darüber hinaus erhalten Kunden an den Bedientheken im Naturkosthandel vom geschulten Personal ausführliche Informationen zu allen Inhaltsstoffen und allergenen Zutaten.

EU-Staaten dürfen Gentech-Pflanzen verbieten

Jedes Land in der Europäischen Union kann künftig selbst entscheiden, ob es den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen erlaubt. Grundlage ist die so genannte Opt-Out-Klausel, für die das EU-Parlament im Januar gestimmt hat und die voraussichtlich im Frühjahr in Kraft tritt. Das Bundesumweltministerium befürwortet ein vollständiges Verbot für Deutschland, das zuständige deutsche Agrarministerium prüft diese Frage allerdings derzeit noch.

Die neue Regelung ist nicht unumstritten. So fehlt das von Gentechnik-Gegnern geforderte europaweite Anbauverbot. Und Agrarkonzerne müssen zwar nicht mehr wie ursprünglich beteiligt werden, sondern die Mitgliedsstaaten können nach der Zulassung einer Sorte unabhängig ein Verbot aussprechen. Außerdem darf der Anbau auch aus sozio-ökonomischen oder umweltpolitischen Gründen verboten werden – nicht nur wie bisher bei „neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen“. Kritiker befürchten allerdings, dass die Agrarkonzerne solche Verbotsgründe rechtlich in Frage stellen werden. Offen ist auch, ob die Anbauverbote die Freihandelsverhandlungen mit den USA überstehen. Denn aus US-Sicht gelten die EU-Regelungen als „Handelshemmnisse“. Agrarkonzerne könnten somit vor den im Rahmen von TTIP geplanten Schiedsgerichten gegen Anbauverbote klagen und würden vermutlich Recht bekommen.

Derzeit ist EU-weit nur eine gentechnisch veränderte Sorte für den kommerziellen Anbau zugelassen: der Mais Mon810 von Monsanto. In Brüssel liegen allerdings mehrere neue Anträge vor, unter anderem auch die Erstzulassung für den Mais 1507. Ohne das europaweite Anbauverbot drohen nun Verunreinigungen, da es einen „Flickenteppich“ von Zulassungen geben könnte. Über bisherige gesetzliche Regelungen hinausgehende Haftungsregelungen, die die Verursacher stärker in die Pflicht genommen hätten, sind gestrichen worden.