Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 12/2014

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Naturkosmetik unter dem Weihnachtsbaum

Naturkosmetik ist ein wunderbares Weihnachtsgeschenk, aber wie findet man ein richtig gutes Produkt? Schöne Blüten auf der Verpackung, ein Hauch Minze oder Aloe Vera und Slogans wie „natural balance“ sind jedenfalls keine guten Ratgeber. Echte Naturkosmetik trägt immer das Siegel einer anerkannten Zertifizierungsstelle, zum Beispiel von NaTrue, Cosmos, BDIH, Demeter oder Ecocert. Eine Übersicht über alle empfehlenswerten Standards finden Sie in den Sortimentsrichtlinien für den Naturkost-Fachhandel. Bio-Fachgeschäfte, die Mitglied im BNN sind, führen ausschließlich Naturkosmetik mit diesem hohen Standard. Einige Produkte sind sogar als Bio-Kosmetik zertifiziert. Das ist möglich, wenn mindestens 95 Prozent der natürlichen Inhaltsstoffe aus biologischer Landwirtschaft und/oder kontrollierter Wildsammlung stammen.

Bei der Auswahl des passenden Geschenks gibt es im Fachgeschäft auf Wunsch auch die gute Beratung dazu. Aber auch wer spontan ins Regal greift, kann kaum etwas falsch machen. Während konventionelle Kosmetik fast ausschließlich billige Fette auf Erdölbasis enthält, pflegen bei zertifizierter Naturkosmetik hochwertige pflanzliche Öle wie Sheabutter, Mandel- und Avocadoöl besonders hautverträglich. Für den angenehmen Duft sorgen ätherische Öle, keine synthetischen Duftstoffe. Tabu sind unter anderem Parabene, Polyethylenglycole (PEG), aggressive Tenside, hormonell wirksame Stoffe und Mikroplastik.

Im Angebot zum Fest sind schön verpackte Weihnachts-Sonderserien wie das Logona-Duschbad „Wintertraum Orange-Toffee“ oder das „Family X-Mas Set“ von Sante mit exotischem Ananas-Zitronenduft, der den Beschenkten gedanklich in ferne Länder schweifen lässt. Eine gute Wahl sind im Winter auch besondere Pflegecremes, reichhaltige Lotionen oder hochwertige Handcremes. Etwas für praktische Zeitgenossen mit Sinn für feinen Duft sind Stückseifen von Sodasan wie „Cream Zimt-Orange“ oder „Handseife Calendula“ von Sonett. Duft pur versprechen die Aromadüfte von Taoasis, zum Beispiel „Blutorange“ in demeter-Qualität oder die neue Parfum-Serie „MYTAO“, die ersten demeter-zertifizierten Bioparfums weltweit.

Schokolade mit gutem Gewissen genießen

Schokolade macht glücklich und schmeckt in der Adventszeit bei Kerzenschein oder nach einem Winterspaziergang zu heißem Kaffee oder Tee doppelt lecker. Bio-Schokolade ist zudem purer Genuss ohne unnötige Zusatzstoffe wie künstlich hergestelltes Vanillin. Und natürlich stammen alle Zutaten aus ökologischem Anbau, nicht nur der Kakao, sondern auch Rohrzucker und Zutaten wie Nüsse, Milch oder echte Bourbon-Vanille.

Der konventionelle Anbau der Kakao-Pflanze in Monokulturen belastet die Umwelt schwer, denn in den feucht-warmen Anbauregionen werden massiv Chemikalien gegen Schädlingsbefall und Pilzkrankheiten eingesetzt. Bio-Kakaobauern setzen stattdessen unter anderem auf Mischkulturen und bauen zwischen den Kakaobäumen Orangen, Bananen und Avocados, Kokospalmen und Wurzelgemüse für den Eigenbedarf an. Schattenbäume sorgen für ein gutes Gedeihen der Jungpflanzen.

Die enge Zusammenarbeit der Kakaobauern mit Bio-Verarbeitern sorgt auch für verbesserte soziale Bedingungen, während auf den großen konventionellen Plantagen vor allem in Westafrika Kinderarbeit, Ausbeutung und Armut noch immer an der Tagesordnung sind. Naturata beispielsweise verarbeitet Kakao aus dem Fair-Trade-Projekt Yacao in der Dominikanischen Republik und bei Rapunzel sorgt die „Hand in Hand“-Zertifizierung für faire Bedingungen, die alle zwei Jahre von unabhängigen Inspektoren überprüft werden.

Dunkle Bio-Schokolade ist fast immer vegan und milchfrei. Sogar für vegan lebende Liebhaber von Milchschokolade gibt es Produkte im Biohandel. Statt Milch oder Sahne wird dafür Reismilch verarbeitet. Und es gibt sogar Bio-Schokolade in Rohkostqualität, zum Beispiel von Lovechoc oder Ombar. Die Bohnen werden dafür nicht über 42 Grad erhitzt, so dass mehr natürliche Inhaltsstoffe erhalten bleiben.

Rückenwind für die eiweißreiche Lupine

Lupinen sind als Lieferant für hochwertiges Eiweiß leider kaum bekannt und werden selten angebaut. Im Bio-Handel gibt es einige Lupinen-Produkte, zum Beispiel vegane Schnitzel, Süßlupinenmehl und ganz neu die veganen, laktose- und glutenfreien „LupiLove“-Aufstriche von Zwergenwiese. Sie werden aus den ganzen Lupinenbohnen hergestellt, die nicht nur alle acht essentiellen Aminosäuren enthalten, sondern auch die Vitamine B1 und A, Kalium, Calcium, Magnesium und Eisen. Auch der Anteil an gesunden, ungesättigten Fettsäuren ist besonders hoch.

 

Doch so verbreitet wie die ebenfalls eiweißreichen Sojabohnen sind Lupinenbohnen längst noch nicht. Das soll jetzt das bundesweite „Modellhafte Demonstrationsnetzwerk zu Anbau und Verwertung von Lupinen“ ändern, in Zusammenarbeit mit Landwirten und Verarbeitern, darunter auch ökologisch wirtschaftende. Denn Süßlupinen bringen auch für die Umwelt enorme Vorteile: Sie binden mit Hilfe von Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft und verbessern damit die Bodenqualität und lockern mit ihrem stark verzweigten Wurzelsystem den Boden auf. Die Pflanze selbst stellt wenig Ansprüche und gedeiht fast überall in Mitteleuropa problemlos, auch auf sandigen Böden.

Während Zwergenwiese sich für die Verarbeitung der ganzen Lupinenbohnen entschieden hat, damit alle wertvollen Bestandteile erhalten bleiben, hat ein Team am Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung einen anderen Weg gewählt: Da das Aroma der Lupine nicht zu allen Produkten passt, entwickelten die Forscher ein Verfahren, um Geschmacks- und Geruchsstoffe zu entfernen. Dafür wird das Öl in den Samen von den Eiweißen getrennt. Die quarkartige Masse kann getrocknet oder frisch weiterverarbeitet werden, z.B. zu veganen Produkten wie Lupinenmilch, -Joghurt, -Eis oder -Pudding. Das Verfahren wurde im Oktober mit dem Deutschen Zukunftspreis 2014 ausgezeichnet.

Tierfabriken, TTIP - „Wir haben es satt!“

Bereits zum fünften Mal startet 2015 in Berlin parallel zur Grünen Woche, der weltweit wichtigsten Messe für Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion, die große Demonstration „Wir haben es satt!“ (www.wir-haben-es-satt.de). Unter dem Motto „Stoppt TTIP, Tierfabriken und Gentechnik! Für die Agrarwende!“ geht es am 17. Januar um 12 Uhr am Potsdamer Platz los. Von dort bewegt sich der Demonstrationszug zum Kanzleramt, um der Forderung nach einer grundlegenden Änderung der Agrarpolitik Nachdruck zu verleihen.

Denn nur eine sozial- und umweltverträgliche, bäuerliche und ökologische Landwirtschaft bietet dauerhafte Lösungen für weltweite Probleme wie Hunger, Ernährungssouveränität, Bodenverlust und Artenverlust. Die Agrarindustrie fördert dagegen Monokulturen und Gentechnik auf dem Acker und sorgt für den Schwund der Saatgut-Vielfalt. Darüber hinaus bedroht aktuell das TTIP-Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA hart erkämpfte Fortschritte bei der Lebensmittelsicherheit.

Wer im Januar in Berlin seinen Unmut zeigen möchte, findet auf der Website „Wir haben es satt!“ eine Mitfahrbörse und einen Busleitfaden für die Organisation einer gemeinsamen Anreise per Bus.

Zu den Trägern der Demo "Wir haben es satt!" zählen unter anderem Bioland, Demeter und Naturland, BUND, NABU, Brot für die Welt, Misereor und Slow Food. Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e.V. und viele Bio-Unternehmen wie Allos, Bauck, Bohlsener Mühle, Herbaria, Holle und Voelkel fördern das Netzwerk „Wir haben es satt!“.

Neu im Kino: „Der Bauer und sein Prinz”

Bio kann jede Unterstützung gut brauchen – warum also nicht auch royale? Der bekannte Dokumentarfilmer Bertram Verhaag hat den britischen Thronfolger Prinz Charles fünf Jahre durch alle Jahreszeiten auf der 700 Hektar großen königlichen Bio-Farm „Duchy Home Farm“ in Süd-England durch die Kamera beobachtet. Der Film „Der Bauer und sein Prinz“, entstanden aus 120 Stunden Rohmaterial, ist jetzt in den Kinos. Blühender Klee, wogende Weizenfelder mit Mohnblumen, weidende Kühe mit Kälbern - der Film „Der Bauer und sein Prinz“ fasziniert durch poetische Landschaftsbilder und kann so das Publikum für ökologisches Engagement begeistern.

Die Dokumentation macht deutlich, dass es sich nicht um ein königliches Hobby handelt, sondern um den ernsthaften Versuch, der globalisierten Intensivlandwirtschaft etwas entgegenzusetzen. „Ich versuche zu zeigen, wie wichtig die Familienlandwirtschaft ist – weltweit. Von ihr hängt die Ernährungssicherheit ab. Wir können unser gesamtes Vertrauen nicht in riesige, industrielle Systeme legen“, sagt Prinz Charles. Schon vor 30 Jahren ließ er das Anwesen auf ökologischen, nachhaltigen Landbau umstellen. Kräftig unterstützt wurde er dabei von seinem umsichtigen Farm-Manager, dem Agrarwissenschaftler David Wilson, der im Film mit britischen Humor über Erfolge und Probleme berichtet und auf die Problematik von Monokulturen und Massentierhaltung hinweist.

Ein „Feel-Good-Movie“, das inspirierende Perspektiven zeigt - ein Plädoyer für den ökologischen Landbau! Aktuelle Kinotermine: www.derbauerundseinprinz.de