Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 11/2014

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Wohlige Teezeit an grauen Tagen

Novemberwetter, dunkle Abende – da kommt eine dampfende Kanne „Herbstgold“ oder „Abendstern“ gerade richtig. Der Bio-Fachhandel bietet eine große Auswahl an Kräuter- und Früchtetees, die die Farben und die Wärme des Sommers bewahren. Das „Herbstgold“ vom Kräutergarten Pommerland wärmt zum Beispiel mit Hagebutte, Melisse, Hibiskus, Zitronengras, Ingwer und Sonnenblumenblüten, der „Abendtraum“ von Ökotopia mit Honeybush, Melisse, Kamille, Salbei, Lavendel, Süßfenchel und Hopfen.

Das Aroma der Bio-Kräutertees stammt aus Blättern, Blüten, Wurzeln und Früchten aus ökologischem Anbau oder aus bio-zertifizierter Wildsammlung. Wo es möglich ist, setzen die Hersteller auf Rohstoffe aus heimischem Anbau. Kräutergarten Pommerland erntet zum Beispiel Apfelminze, Ysop und Zitronenthymian in Vorpommern, und Heuschrecke bezieht Pfefferminze und Melisse aus dem nordhessischen Bergland und Thymian aus Sachsen-Anhalt. Der regionale Kräuteranbau bringt Farbe und Abwechslung in unsere von Getreide, Mais und Raps geprägte Agrarlandschaft und schafft Lebensraum und Futter für viele bedrohte Tierarten.

In letzter Zeit haben die Medien über Pyrrolizidinalkaloide in Kräutertees berichtet. Diese sekundären Pflanzenstoffe kommen von Natur aus in bestimmten Pflanzen wie Jakobskreuzkraut und Huflattich vor, also insbesondere in Beikräutern im Feld. Es gibt allerdings Hunderte verschiedener Pyrrolizidinalkaloide. Man weiß, dass nicht alle gleich giftig sind – aber welches wie stark toxisch wirkt, ist bisher nur unzureichend bekannt. Im Bio-Anbau werden Beikräuter grundsätzlich nicht mit Pestiziden vernichtet. Stattdessen sind ein gutes Unkrautmanagement und eine sorgfältige Ernte entscheidend, um den Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden gering zu halten und gleichzeitig die gewünschte Artenvielfalt im Feld zu erhalten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, bei der Auswahl von Lebensmitteln immer auf Abwechslung und Vielfalt zu setzen. „Auf diese Weise lassen sich einseitige Belastungen mit verschiedenen potentiell gesundheitsgefährdenden Stoffen, mit deren vereinzeltem Vorkommen in geringen Mengen in Lebensmitteln gerechnet werden muss, vorbeugen.“

Auch krumme Möhren schmecken lecker - Europäische Woche der Abfallvermeidung

Abfall, der nicht entsteht, muss nicht entsorgt werden. Das schont die Umwelt und hilft, wertvolle Ressourcen zu sparen. Die Europäische Woche zur Abfallvermeidung vom 22. bis 30. November 2014 soll dazu anregen, die persönliche Abfallbilanz weiter zu verbessern. In diesem Jahr lautet das Motto „Lebensmittelverschwendung stoppen!“ Bisher sind mehr als 2.000 Aktionen gemeldet. Viele Tipps und Informationen bietet auch die Website „Zu gut für die Tonne“ des Bundeslandwirtschaftsministeriums.

Statistisch wirft jeder Bundesbürger pro Jahr 82 Kilogramm Lebensmittel weg. Damit landet jedes achte Lebensmittel im Müll, insgesamt etwa im Wert von 235 Euro! Zwei Drittel davon wären noch genießbar. Bundesweit zeigen während der Woche zur Abfallvermeidung zahlreiche Initiativen, Kommunen und Projekte, wie sich das vermeiden lässt. „Gerettetes Gemüse verschenken“ heißt es zum Beispiel in Bonn, wo die BUNDjugend NRW mit vor dem Müll geretteten Lebensmitteln, Flyern und Gemüsekostümen durch die Innenstadt ziehen wird.

Im Bio-Fachhandel ist das Vermeiden von Abfall eine gute Tradition. Mehrwegflaschen und lose Ware sind weit verbreitet, und oftmals findet man auch „schräges“ Obst und Gemüse. Da jedoch auch Biokunden gerade Möhren und glatte Äpfel bevorzugen, haben sich einige Unternehmen darauf spezialisiert, solche Bio-Lebensmittel zu verarbeiten: So serviert „Culinary Misfits“ in Berlin Snacks und Suppen aus Zutaten, die nicht der Norm entsprechen. Bio-Großhändler wie Terra und Chiemgauer Naturkost übergeben Lebensmittel, die kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum stehen oder aus anderen Gründen nicht verkauft werden können, an die „Tafeln“ in ihrer Region. Auch Einzelhändler engagieren sich, zum Beispiel die Läden der Bio Company, die soziale Organisationen und die Initiative Foodsharing unterstützen, indem sie unverkäufliche Lebensmittel spenden.

Bio-Palmöl, nachhaltig produziert

Palmöl hat keinen guten Ruf, denn für neue Plantagen werden oft Regenwald und Torfmoore zerstört. Auch die Arbeitsbedingungen in Indonesien und in Malaysia stehen in der Kritik. Doch Palmöl ist keineswegs von Natur ein „böses Öl“. Im Gegenteil: Wegen der unschlagbar hohen Erträge kann man damit auf viel geringerer Fläche große Teile des weltweiten Bedarfs an Pflanzenölen decken als zum Beispiel mit Kokos- oder Rapsöl. Es kommt also darauf an, Palmöl ökologisch und nachhaltig zu produzieren. Wie das funktioniert, zeigen beispielhaft die beiden großen Bio-Palmöl-Erzeuger Agropalma in Brasilien und Daabon Organic in Kolumbien.

 

Für die Bio-Ölbaumplantagen wurde in den letzten dreißig Jahren kein Regenwald gerodet. Agropalma trägt neben dem Bio-Siegel auch das EcoSocial-Siegel, vergeben vom Instituto Biodinâmico, einem international anerkannten Zertifizierer. Das Unternehmen hat zum Beispiel ein „Forest Patrol Programme“ gestartet, um die großen Waldreservate zwischen den Plantagen zu schützen. Daabon Organic ist nach dem internationalen Sozialstandard S.A. 8000 zertifiziert und investiert in soziale Projekte. Die ökologische Anbauweise bringt weitere Vorteile für die Regionen: Besonders wichtig ist der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit, damit die Flächen dauerhaft genutzt werden können. Der Boden ist durchgehend begrünt, als Dünger dienen unter anderem Kompost, Dung und Mulch.

Bio-Palmöl ist eine wichtige Zutat für Bio-Lebensmittel wie Margarine, Nougat-Cremes, Fruchtriegel und Gebäck, da im Bio-Bereich keine gehärteten oder chemisch modifizierten Fette verwendet werden. Palmfett ist jedoch auch ohne Härtung bei Raumtemperatur fest und sorgt in Pasteten und Aufstrichen für die angenehm cremige und streichfähige Konsistenz und bei Keksen für Festigkeit und einen besseren Biss. In veganen Produkten ist es zudem die ideale Zutat, um Butter zu ersetzen.

Mehr Mittel für die Bio-Züchtung

Fast alle Gemüsesorten stammen heute aus Hybrid-Züchtung. Die Samen solcher Pflanzen können nicht für die Vermehrung im Folgejahr genutzt werden, denn sie sind nicht samenfest. Doch wer Vielfalt möchte, kann sich nicht auf das Saatgut weniger Agrarkonzerne verlassen. Bio-Züchter bemühen sich daher seit 20 Jahren, neue Sorten auf traditionellem Weg zu entwickeln. Sie achten dabei nicht nur auf Geschmack und Form, sondern auch auf besondere Eignung für den Bio-Anbau. Einigen bekannt sind mittlerweile die Möhre „Rodelika“ und der Weißkohl „Dottenfelder Dauer“, weniger bekannt sind Sorten wie die Rote Beete „Robuschka“ oder der Spinat „Verdil“.

Der Beitrag der ökologischen Pflanzenzüchtung für den Erhalt der genetischen Vielfalt bei Getreide und Gemüse ist kaum zu überschätzen. Doch es ist auch eine langwierige und herausfordernde Aufgabe und damit teuer. Anfang Oktober wurde am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) eine Supportstelle für die ökologische Pflanzenzüchtungsforschung eingerichtet. Ein wichtiges Ziel ist es, Gelder aus öffentlichen Förderprogrammen zu gewinnen, um ökologische Züchtungsinitiativen zu stärken. Wichtige Unterstützer sind die Stiftung Mercator Schweiz und die Software AG-Stiftung.

Die Hybridzüchtung mit Inzuchtlinien liegt heute in der Hand weniger Saatgutunternehmen, die auf Merkmale setzen, die für den Ökolandbau nicht relevant sind, zum Beispiel Herbizidresistenz und Patentierbarkeit. Besonders umstritten ist die Züchtung sogenannter CMS-Hybriden mit Hilfe von Zellfusionen. Die deutschen Bio-Anbauverbände haben CMS-Hybriden in ihren Richtlinien verboten. Bis jedoch genügend ökologisch gezüchtete Sorten für alle Bereiche verfügbar sind, sind noch Anstrengungen sowohl auf politischer als auch gesellschaftlicher Ebene notwendig.

Schneller Rat im Siegel-Dschungel

Label, Siegel, Gütezeichen - weit mehr als 1.000 verschiedene sollen uns darüber informieren, welche Vorteile oder Besonderheiten ein Produkt mit sich bringt. Allerdings kann diese Vielzahl auch mehr verwirren statt zu helfen. Klarheit bringt ein Blick auf die Website www.label-online.de oder die Kontrolle direkt am Regal mit der gleichnamigen App für Smartphones mit Android- oder iOS-Betriebssystem. Dabei können die Labels entweder über einen Foto-Button eingescannt oder der Name über ein Textfeld eingeben werden.

Ob Kopierpapier, Kotelett, Kühlschrank oder Kreuzfahrt – die Website und die App stellen Hunderte Labels mit Informationen zu den Trägern, Zielen und Vergabeverfahren vor und bewerten Qualität, Transparenz und Aussagekraft. Die Bewertung erfolgt einheitlich nach Kriterien, die ein Expertengremium festgelegt hat. Untersucht wird beispielsweise, wie unabhängig die Vergabe ist und welche Kontrollen vorgesehen sind. Denn nur wenige Siegel haben eine rechtliche Grundlage – eines der bekanntesten ist sicher das EU-Bio-Logo.

www.label-online.de wird vom Bundesumweltministerium, dem Umweltbundesamt und dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft finanziert. Träger ist die Verbraucher Initiative e. V., der Bundesverband kritischer Verbraucherinnen und Verbraucher.